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Hans
Zacher
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Nachruf auf Hans Zacher
(22. November 1912 - 5. August 2003)| Im Alter von 90 Jahren verstarb am 5.August 2003 Dipl.Ing. Hans Zacher nach kurzer Krankheit in Gauting bei München. |
![]() Foto: Ute L� |
Vor allem der Segelflug verliert in ihm einen der letzten großen Wegbereiter der Segelflugentwicklung in Deutschland ab dem Jahre 1927, als er selbst mit dem Segelfliegen begann. Über alle Lebensstufen hinweg war der Segelflug und alles, was damit zusammenhing, die Mitte seines beruflichen Lebens. Als begnadeter Ingenieur führte ihn sein Weg über die "Lehrjahre" an der Technischen Hochschule in Darmstadt und der dort bestehenden "Akademischen Fliegergruppe" in die "Wander- und Meisterjahre" der Entwicklung und Forschung bei der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug, zunächst in Darmstadt, dann in Berlin, Ainring/Obb. und München sowohl vor, während, als auch nach dem Krieg. Zwischen 1952 und 1958 nahm er eine wichtige Rolle in der Prüfstelle für Luftfahrtgeräte in Essen und München ein, als es um den Wiederaufbau der deutschen Segelflugzeug-Industrie und vor allem um die Einführung des innovativen neuen faserverstärkten Kunststoffes und seiner Zulassung für den Bau von Segelflugzeugen ging. Sachverstand und Mut, auch zu weitreichenden Entscheidungen und ohne dabei in Besserwisserei zu verfallen, zeichneten ihn stets aus! Das Leitbild "Forschen, Bauen, Fliegen" war für ihn Zeit seines Lebens inneres Gesetz und roter Faden. Er besaß die nicht hoch genug einzuschätzende Gabe und Fähigkeit, den jüngeren Nachwuchskonstrukteuren, Segelflugzeugbauern und Piloten in unendlich vielen Gesprächen, Vorträgen, Diskussionen, in fliegerischen Kursen und Veröffentlichungen das Rüstzeug weiterzugeben, das erst eine erfolgreiche Entwicklung von Segelflugzeugen und Motorseglern ermöglicht. Nicht ein einziges Idafliegtreffen seit 1937, sei es das Fliegen und Messen im Sommerlager oder das Diskutieren und Reflektieren im Winter, versäumte er, immer inmitten der Jungen und im Geiste einer der Ihren, sich stets zurückhaltend, aber voll konzentriert und schlagfertig, gestützt durch ein phänomenales Gedächtnis und eine überaus reiche Erfahrung, immer hilfreich, wenn sein Rat gesucht und gebraucht wurde. Fast visionär sah er vor allem nach der Wiederzulassung des Segelflugs in Deutschland im Jahre 1951 die Notwendigkeit voraus, standardisierte Mess- und Beurteilungsverfahren im Bereich der Flugleistungen und Flugeigenschaften aufzustellen. Sie mussten einen Vergleich von Segelflugzeugen untereinander bis hin zu den vorgegebenen Grenzen der Flugsicherheit innerhalb erlaubter Manöverwerte einschließen. Über die OSTIV (Internationale Vereinigung für die Wissenschaft und Technik des Segelflugs) und deren Sailplane Development Panel (Ausschuß�für Segelflugzeugentwicklung) brachte er seine Erkenntnisse und Vorschläge international wirksam ein und erfuhr dafür zahlreiche Auszeichnungen, auch der FAI und nicht zuletzt das Bundesverdienstkreuz. Dennoch hielt er sich immer bescheiden im Hintergrund, trotz aller seiner Verdienste um die Förderung der Wissenschaft und der Anwendung der daraus gewonnenen Erkenntnisse. Souverän nutzte er seinen angeborenen Humor, Dinge zurechtzurücken und sich selbst auf Distanz zu halten. Gegen äßere Widerstände setzte er zeitweise die Veröffentlichung von Messergebnissen zu Flugleistungen und -eigenschaften durch, um dadurch einen unabhängigen Vergleich verschiedener Flugzeugmuster untereinander und gleichzeitig eine wertvolle, neutrale Dokumentation über die erzielten Fortschritte zu ermöglichen. Hierzu gehört ebenso das Standardwerk über die Geschichte der deutschen Segelflugzeug-Entwicklung, das er 1992 und 1999 zusammen mit Günther Brinkmann in "Die Evolution der Segelflugzeuge" niedergelegt hat. Den Flugzeug-Selbstbauern in der Oskar-Ursinus-Vereinigung OUV war er über Jahrzehnte ein uneigennütziger Berater. So ergab es sich auch, dass das Protokoll, das Hans Zacher als Grundlage für die Beurteilung der Flugeigenschaften von Segelflugzeugen und Motorseglern entworfen hat, das "Zacherprotokoll" und das Durchführen der dafür vorgeschriebenen Flugmanöver ganz allgemein und nahezu weltweit "zachern" genannt wird. In einem liebenswerten Artikel zog der Luftfahrtjournalist Dieter Vogt in der FAZ vom 18.September 2001 einen Vergleich zu berühmten Männern der Wissenschaft wie Röntgen, Pasteur und Morse: "Ihr Name wurde zum Tätigkeitswort. Man kann röntgen, pasteurisieren, morsen. Wer Verb wird, wird unsterblich. Auch Hans Zacher? Das Zachern gehört heute zum Wortschatz der Flugzeugbauer und ihres Nachwuchses, den Akademischen Fliegergruppen (Akafliegs) an den Hochschulen." Kann es ein höheres Lob geben? Gerade die Sorge um die Förderung des Nachwuchses und damit den Weiterbestand der Akafliegs war ein Hauptanliegen Hans Zachers bis in die letzten Wochen seines erfüllten Lebens. Mit ihm verliert der Segelflug einen herausragenden Ingenieur und liebenswerten, begeisternden Menschen, Lehrer und Freund. Wir alle verdanken ihm sehr, sehr viel.
Für die Freunde: Manfred E. Reinhardt